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Impuls zur Fastenzeit

Wasche mich rein!

Seit 2017 gibt es in der Nähe meiner Wohnung eine neue Großwäscherei. In normalen Zeiten liefern täglich viele LKWs schmutzige Wäsche an und gereinigte wieder aus, eine wichtige Dienstleistung. Wäsche und Reinigung sind auch in meinem Alltag wichtig. Mit Beginn der Pandemie gehört das intensive Händewaschen zu den AHA-Regeln und wird sehr ins Bewusstsein gebracht. Die Frage nach „rein“ oder „unrein“ begegnet mir immer wieder. Es gibt Situationen in meinem Leben, da würde ich gern Belastendes oder Negatives loswerden. „Abwaschen“, „wegwaschen“, „reinwaschen“… Haben Sie solche Gedanken auch schon einmal gehabt? Es wäre so einfach, schnell wieder sauber zu sein. Aber dann fällt mir das Wort aus dem Markusevangelium ein: „Nichts was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“

Da ist es mit einer einfachen Wäsche nicht getan. Ich muss tiefer schauen, in meinen Geist und in mein Herz. Es kommt auf meine Bereitschaft an, mein Versagen und meine Schuld zu erkennen, zu bereuen, zu bekennen und um Verzeihung zu bitten. Ich schaffe das nicht alleine, aber ich darf alles vor Gott bringen.

Im Psalm 51 heißt es:

       Gott sei mir gnädig nach deiner Huld,
       tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
       Wasch meine Schuld von mir ab
       und mach mich rein von meiner Sünde!
       …
       Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz
       und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Noch drastischer beschreibt es Huub Oosterhuis in seinen Psalmen:

      Schrubb den Schmutz von mir ab,
       meine Intrigen, mein schroffes
      Beharren auf meinen Lügen,
      poliere mich rein.
      …
      Ich habe getan,
      was vom Bösen zum Schlimmeren läuft.
      …
      Ich habe die kranken Orte aufgesucht
      und mich anstecken lassen.
      Es ist nicht abzuwaschen, es ist
      unter meine Haut gegangen,
      in meine Hirnschale gekrochen,
      operiere mich.

      Ich habe es achtlos getan,
      mit Blick ins Blaue und brutalem Lächeln,
      als ob es nicht das Böse wäre, das es war,
      als ob es von zwei Übeln
      das geringste wäre.
      Kennst du in deiner ewigen Seele
      den Zwiespalt – bist du
      so tief hinabgestiegen und Mensch geworden,
      dass du uns darin begreifst?
      „Bei dir ist Vergebung“,
      so steht es geschrieben.

      Es gibt ferne Freunde,
      manche ganz nah,
      die mir mein schlechtes Vorbild
      nicht nachtragen. Sie sehen mich
      leiden durch eigene Schuld,
      versuchen, es zu lindern.

      Und meine Kinder.
      Bei ihnen ist Vergebung.

      Sei mir gnädig,
      du, der Gnade ist.
      Ich sehe den Weltenbrand,
      den ich ausgelöst habe,

     das Vollkommene,
     das ich geschändet habe.

     Wasch mich rein
     und ich werde weißer werden
     als Schnee.

     Schenk mir ein neues Herz.

     Sende deinen Geist,
     dass ich neu erschaffen werde.

     Wenn das möglich wäre…

     (aus Huub Ooesterhuis „Psalmen“, Herder)

 

Dieser Text begleitet mich durch die Tage der österlichen Bußzeit. Ich vertraue auf das Mögliche bei Gott.

Stephan Schroeder
Gottesdienstbeauftragter